Vorwort "Zahngesund"

Max Planck zufolge brauchen Irrlehren in der Wissenschaft fünfzig Jahre, bis sie durch neue Erkenntnisse abgelöst werden, weil nicht nur die alten Professoren, sondern auch deren Schüler aussterben müssen. In Deutschland entpuppte sich der Therapieansatz der Zahnmedizin erst in den 80er Jahren als totale Fehlsteuerung. Die Mundgesundheit der Menschen war katastrophal und die Bundesrepublik war Weltmeister in der Kariesverbreitung. Der flickende, therapeutische Ansatz war Ausdruck einer Irrlehre, die zu einem stetigen Anstieg der Nachfrage nach zahnärztlicher Versorgung führte. Dreißig Jahre danach sieht die Welt ein wenig besser aus: Karies bei Kindern ging leicht zurück. Nur bei Erwachsenen verändert sich fast nichts, denn noch immer befällt die Zahnfäule ihre Kauleisten. 14,5 Zähne sind in dieser Altersgruppe heute kariös, gefüllt oder fehlen. So sieht es aus, wenn Zahnärzte mit Füllungen nur die Löcher im Zahn behandeln, nicht aber die Krankheitsursache.

Obwohl der amerikanischer Arzt und Wissenschaftler Willoughby D. Miller schon vor über einhundert Jahren entdeckte, dass Bakterien Karies auslösen, entwickelten Zahnmediziner ihre Füllungstherapie weiter - ohne einen Blick auf andere Therapiemöglichkeiten zu werfen. Seitdem hat sich diese Irrlehre zur einzigen Behandlung gegen die Zahnkaries entwickelt. Mit dieser Reparatur der Reparatur werden Zähne aber nicht gesund: Wenn die Diagnose 85 Millionen Mal im Jahr Karies lautet, dann wird rund die Hälfte der kranken Zähne in den Zahnarztpraxen zum ersten Mal gefüllt. Die andere Hälfte sind alte, undichte Füllungen, die durch neue ersetzt werden müssen. Solche Sekundärkaries ist weltweit die häufigste Ursache für den Austausch von Füllungen.1 Mit der Reparatur an der Reparatur werden Patienten offensichtlich nicht gesund.

Wie weit dieser flickende und nachsorgende Therapieansatz noch immer zur Behandlungsphilosophie gehört, darüber gibt die Zahl der Zahnbetterkrankungen Aufschluss. Der letzten großen Mundgesundheitsstudie zufolge leiden immer mehr Menschen an Parodontitis – eine Entzündung, die von Bakterien ausgelöst wird und den Zahnhalteapparat so stark schädigen kann, dass die Zähne irgendwann ausfallen. Dass genau das durch Karies eines Tages sowieso passieren wird, scheint als unheilvolles Bild in den Köpfen der Patienten zu schlummern. Dieses Buch erzählt von einem Protest von Ärzten und Wissenschaftlern, die das ändern wollen. Das zweite Kapitel zeigt etwa, dass eine zahngesunde Ernährung Karies nicht nur vorbeugen, sondern sogar stoppen kann. Mit diesem therapeutischen Ansatz können Zähne ein Leben lang gesund bleiben.

Nachdem das Buch „Zahnarztlügen“ einen Nerv getroffen hat, der bei vielen den Wunsch geweckt hat, genau das zu erreichen, zeigt „Zahngesund“ nun, wie das funktioniert. Jeder kann mit diesen Tipps von einer lebenslangen Patientenkarriere im Zahnarztstuhl loskommen und sich vor Karies und Parodontitis schützen. Im Gegenzug täuscht die Füllungstherapie nur darüber hinweg, dass Karies gestoppt ist. Nach der Behandlung beim Zahnarzt verbleiben Milliarden Bakterien weiter im Mund, die sich mit kariogenen Lebensmitteln rasend schnell vermehren und Zucker heiter zu Säuren vergären. Sie befallen dann entweder neue Zähne oder Bakterien nisten sich unter Füllungen ein. Haushaltszucker ist dabei der größte Zahnkiller, von dem sich Kariesbakterien mit Vorliebe ernähren.2 Wenn diese Nahrung durch Randspalten der Füllung in die Tiefe gelangt, dann beginnt ein Teufelskreis.

Eine wachsende Zahl von kritischen Stimmen sieht in den Behandlungsmethoden der modernen Zahnmedizin deshalb nur eine heillose Schadensbegrenzung, obwohl Karies nach aktuellem Stand der Wissenschaft vollständig vermeidbar und heilbar wäre. Mit Xylit statt Zucker sinkt das Kariesrisiko auf Null. Dieser süße Rettungsanker wird in Finnland schon seit Jahren in der Kariesprophylaxe eingesetzt.

Als Barbiere und mehr oder weniger handwerklich begabte Menschen noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts Zähne ohne Betäubung zogen, gab es keine solch revolutionären Möglichkeiten und zahngesund zu bleiben. Erschreckend ist, dass der Begründer der bakteriellen Kariestheorie Willoughby D. Miller bereits Ende des 19. Jahrhunderts in der Vorsorge einen ähnlichen Weg zu gesunden Zähnen sah: Er empfahl eine Kombination aus sorgfältiger Zahnpflege, einer Einschränkung zahnschädigender Genussmittel und die Hemmung des Bakterienwachstums mittels antibakterieller Wirkstoffe. Die Forschungen von Miller sind auch heute noch unstrittige Lehrmeinung und jeder Zahnmedizinstudent lernt diese Therapie während seines Studiums. Miller würde sich wohl im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, wie konsequent seine Empfehlungen ignoriert werden. Wie konnte sich in der Zwischenzeit eine „Zahnheilkunde“ entwickeln, die genau das Gegenteil macht?

Seit 1920 ist die Zeit der Zahnbrecher eigentlich offiziell vorbei. Seitdem müssen Zahnärzte in Deutschland ausgebildet sein. Trotzdem verteidigte die Zahnärzteschaft ihre zahnbrecherischen und flickenden Methoden bis zur dunkelsten Stunde der Zahnmedizin hinauf in die 80er Jahre. Dann begann eine öffentliche Diskussion um Vorsorge und Qualität in der Zahnheilkunde. Doch die Behandlungsphilosophie hat sich kaum verändert. Zahnärzte sind noch immer vielfach nur Flickschuster, die eine Vorsorge prophylaktisch als völlig unpraktikabel abtun. In dieser Weise meldeten sich hunderte Zahnärzte nach dem Buch „Zahnarztlügen“ zu Wort und machten ihren Standpunkt unmissverständlich klar: Xylit sei zu teuer, Chlorhexidin mache Verfärbungen und kein Mensch sei dazu bereit, seine Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen. Mich selbst überzeugt diese Heuchelei nicht im Entferntesten: Die Prophylaxe mit Xylit kostet einem Patienten 16 Cent am Tag, antibakterielle Mundspülungen gibt es mittlerweile mit Antiverfärbungssystem und eine zahngesunde Ernährung ist nicht annähernd so eine Herausforderung, wie es Zahnärzte immer wieder behaupten. Unabhängig davon, wie sehr sich Zahnmediziner gegen die Einsichten in diesem Buch wehren und Sie verunsichern: Geben Sie Ihren Zähne eine Chance!